Versteh‘ einer die Liebe..

„Na ja, das mit der Liebe kann man nun mal nicht erklären. Das ist auch gut so.“, meinte Y. ganz beiläufig und ich weiß nicht, ob ich ihm da zustimme. Das scheint etwas zu einfach gedacht, oder vielleicht erlaubt es einem auch einfach die Illusion zu bewahren, dass die Liebe etwas so Magisches ist, dass sie einfach unerklärbar sein MUSS?
Das Thema ist so komplex, dass mich, um Erklärungen zu finden, einige meine ehemaligen absoluten Lieblingsfächer wieder eingeholt haben.. Biologie, Chemie..
das Wichtigste aber vorweg:
Ich habe KEINE absolute Antwort darauf gefunden, was da im Körper, Geist und Herzen los ist. Spannend war es trotzdem.

Im Sommer habe ich mir auf der Fusion Julianas Vortrag „Falling in Love“ angehört und bin nicht wirklich schlauer daraus geworden. Was hängengeblieben ist, ist der Fakt, dass wir jemanden finden, der die „Lücken“ füllen soll, die wir bei uns selbst entdecken.
Diese Erkenntnis hat mir noch nicht gereicht..
Also habe ich mich dazu entschieden, mich selbst noch ein wenig damit zu befassen. Auch wenn eine meiner ersten Quellen äußerte: „Die Liebe, die Bindung zwischen Menschen, unser Sozialverhalten insgesamt sind so komplex, dass sich noch viele Generationen von Wissenschaftlern daran abarbeiten werden.“ [den Prozess der Liebe aufzudecken]
IMAG0793[1] Wie es der Zufall wollte, bin ich beim Lesen des Romans Die Schopenhauerkur genau über diese Thematik gestolpert. Schopenhauer war also ganz genau Julianas Meinung. Man findet sich zu zweit so zusammen, dass ein „vollkommenes“ neues Lebewesen dabei herauskommen müsste. Das klingt also sehr mathematisch und pragmatisch – und mir fehlt es an Romantik.
Dazu passen aber die Tatsachen, dass wir (unbewusst) Partner nach dem Körpergeruch auswählen. Oder Frauen an ihren fruchtbaren Tagen anziehender riechen. Die Pheromone sind Schuld, sie kommunizieren sexuelle Willigkeit.

Den chemischen Vorgang, den das Verlieben mit sich bringt, ist so intensiv, dass man Verliebtsein sogar als „Sucht“ bezeichnet. Einige Neurotransmitter, namentlich Dopamin, Noradrenalin und Phenethylamin, wirken amphetaminähnlich. Dass man also fast wie besessen von der anderen Person scheint, ist wissenschaftlich erklärbar. Wenn das nicht angsteinflößend ist, weiß ich auch nicht (zur Angst vor Liebe aber später).. Was dann folgt, klingt wieder wenig romantisch: um das ganze Gefühls- und Gedankenwirrwarr zu entspannen, hat man Sex (was auch sonst). Das sagen zum einen meine Internetquellen, zum anderen auch die beiden Referenten auf der Wilden Möhre, die in ihrem „Orgasmus“-Vortrag davon sprachen. Schließlich seien beide Beteiligten so aufgeladen und so – lassen wir es jetzt mal so negativ – besessen, dass es fast wie ein Automatismus scheint, durch welchen man gemeinsam ins Bett hüpft, um die auf die Intimität folgenden Neurotransmitter freizusetzen, die uns einerseits endlich entspannen, andererseits aber auch ein Verlangen nach Bindung mit sich bringen (ich mag hier falsch liegen, aber es scheint, als sei das bei Frauen deutlich intensiver, als bei Männern?).
Das wiederum führt zu einem Kreislauf: Wir sind verliebt, also verwirrt, landen im Bett und wollen daraufhin noch mehr Bindung? Also passiert das alles nochmal und nochmal und nochmal, bis dann Vertrauen und eine gewisse Abhängigkeit entstehen? (Das klingt schon wieder so negativ..) Das würde zumindest schon mal erläutern, wie Beziehungen entstehen. Wieso man sich in bestimmte Personen verliebt, bleibt mir noch immer unklar. Und schon allein diese Differenz zwischen „Verliebtheit“ und „Liebe“ bleibt mir schleierhaft..

Außerdem gibt es ja auch noch die Theorien, die besagen, dass man möglichst ähnliche Wertvorstellungen haben sollte, um sich wirklich anzuziehen. Es heißt, ohne eine große Anzahl an übereinstimmenden Ansichten, kann die Liebe gar nicht lange überdauern. Instinktiv wird also ein Partner mit ähnlichen Interessen gewählt. Das ist ja aber so ziemlich das Gegenteil von dem, was andere Wissenschaftler dazu sagen.
Ob wir es wollen, oder nicht, wählen wir meist auch nach dem Abbild unserer Eltern aus. Und Männer sind oberflächlicher, während Frauen genauer sind.
Diese psychologischen und sozialen Aspekte haben wieder andere Einflüsse auf  das Verlieben. Vielleicht verlieben wir uns ja doch schicksalhaft (Peter Lauster widerspräche mir hier heftig). Damit meine ich nicht, dass das Gegenüber „der Eine, Richtige“ ist, sondern einfach für den Zeitpunkt, oder die Zeitspanne, schicksalhaft ins Leben passt. Das schließt ja die Bereitschaft sich zu öffnen in keinem Fall aus, sie ist sogar notwendig. Was dabei unglaublich spannend ist, ist dass wir noch nichts bewerten. Es scheint, als sei die andere Person, so wie sie ist, in dem Moment perfekt.
Mit der Zeit kommen dann Bewertungen dazu, je besser man sich kennt, desto mehr kann einem (negativ) auffallen. Das muss nicht unbedingt dazuführen, dass man sich voneinander entfernt, aber es kann zu einem erhöhten Kommunikationsbedarf führen. Was die Liebe auch wieder kompliziert macht..
Lauster Buch

Was mich zum nächsten Thema führt:
Wie liebt man?
Laut Peter Lauster: Ein Mensch der lieben kann, bleibt der Liebe treu, aber für ihn ist es wichtiger zu lieben, als treu zu sein. Ein liebesfähiger Mensch kann denselben Menschen immer wieder lieben, aber er versteht nicht, warum er nicht gleichzeitig noch andere Menschen lieben dürfen sollte.
So sei Treue eine krankhafte Fixierung die rein wirtschaftlicher Natur ist.
Hier kommen nun also „Regeln“ ins Spiel, die ich im Zusammenhang mit der Liebe auch als absolut widersprüchlich bezeichnen würde. Als ob unerklärbare, höchst komplizierte und komplexe Reaktionen nach „Regeln“ funktionieren würden.., das „dürfen“ macht mich außerdem sehr stutzig. Es birgt genau diesen Freiheitsverlust, der oft mit Angst besetzt ist. Lauster schreibt ebenso:
Ist nur die Sexualität ohne Liebe da, dann fehlt der Beziehung die Schönheit, der Glanz, die Freude, das tiefempfundene Glück, die Geborgenheit, die Lebensfreude, die Lösung der Spannung, das Gefühl der Erfüllung und Schönheit des Lebens: es fehlt der Sinn. Der Sinn ist nicht die Treue, die Lebensgemeinschaft, die Zukunft, die Planung und Fixierung, sondern allein das Erlebnis der Liebe.
Eine meiner Lieblingsaussagen Lautners lautet;
Der liebesfähige Mensch nicht nur ein Menschenliebhaber, sondern er liebt das Leben allgemein.
Diese Aussage entfernt mich gerade schon wieder von der Kernfrage, mir geht es ja eigentlich schon speziell um die faszinierende Liebe zwischen zwei Menschen. Will er damit sagen, dass wir, solange wir das Leben nicht lieben, auch keine Menschen lieben können? Das würde ja bedeuten, dass jeder, der eine belastete Zeit durchmacht, unfähig ist zu lieben? Das kann doch auch nicht sein..
Ich bleibe also doch ratlos und widme mich erstmal wieder meiner Liebe zum Leben..
IMAG0832[1]

Was mich in diesem Zusammenhang (leider) mindestens genau so sehr beschäftigt, wie das Lieben generell, ist:
Angst vor Liebe

Mich begleitet die Frage, warum manche Menschen Liebe mit Machtlosigkeit assoziieren. Nicht selten wird sogar von „Angst“ gesprochen, wenn es um die Frage geht, ob sie sich gerne „so richtig verlieben würden“.
Die Angst, seine Freiheit und Unabhängigkeit zu verlieren, versetzt einen teilweise fast in panische Zustände, die zu Zweifeln und Ängsten führen, die es überhaupt schwer möglich machen zu lieben. [Dafür müsste geklärt werden, was „lieben“ überhaupt bedeutet.. mein Versuch blieb erfolglos, siehe oben]
Verliebt man sich, werden plötzlich Ansichten hinterfragt, lang gel(i)ebte Gewohnheiten durchbrochen und man ist bereit Kompromisse einzugehen, sodass die Begegnungen für das Gegenüber annehmbar und angenehm sind.
Trotz dem die Sehnsucht nach Liebe, Geborgenheit, Akzeptanz etc. besteht, gibt es so viele andere Einflüsse, die das Zulassen von Liebe erschweren. Alte Wunden machen uns misstrauisch und übervorsichtig, sodass wir gegebenenfalls sogar die Gefühle „erlauben“ würden, nicht aber unsere Freiheit für eine Bindung in Gefahr bringen möchten.
Es gibt so viele Ängste, die durch die mögliche Liebe ins Rollen gebracht werden (können). Abhängig zu werden ist dabei nur eine von vielen. Problemlos kann ich zig aufzählen: Verletzt zu werden. Verlassen zu werden. Ersetzt zu werden. Nicht (gut) genug zu sein. Zu viel zu sein. Alte Schmerzen wieder oder Unehrlichkeit zu erleben. Ständige Vergleiche..und dabei „schlechter“ abzuschneiden..(Im Bezug auf alles).
„Wie kann mich jemand mögen/lieben, wenn ich selbst doch gar nichts in mir sehe?“ ist ebenfalls eine oft gestellte Frage..

All diese Ängste führen zwangsläufig dazu, dass wir uns schützen und einfach kein potenzieller Partner wirklich „passt“. Das mag eine Zeit lang gut geht, ich bin aber der Meinung, dass wir Menschen schon zur Zwei- Drei-.. Zigsamkeit gemacht sind und so bleibt eigentlich nur der ständige Lernprozess, was eben auch bedeutet, Situationen zu erleben, die nicht einfach sind, und die verwirren und eventuell auch all die Ängste bestätigen. (Dennoch halte ich daran fest, dass alles, was ich persönlich erreichen möchte, hinter meinen Ängsten liegt, die zwangsläufig überwunden werden müssen.)

Ich habe ebenso die Hoffnung, dass Lausters Erkenntis bei der Weiterentwicklung der Liebe und dem Geliebtwerden hilft:
Wer sich nicht für die Liebe entscheiden will, hat sich gegen das Leben entschieden, sein Leben ist von da an nur noch ein langsames Sterben.

Weiterführend:
http://www.verfuehrung.info/angst-vor-der-liebe.php
https://kontaktvoll.wordpress.com/2015/01/29/7-fakten-die-bestimmen-in-wen-wir-uns-verlieben/

http://www.peterlauster.de/download/dieliebe_leseprobe.pdf


http://www.stern.de/gesundheit/sexualitaet/vorlieben/warum-wir-uns-in-jemanden-verlieben-3810898.html


4 Gedanken zu “Versteh‘ einer die Liebe..

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